
Wer heute zwischen Reiherstiegviertel und Wilhelmsburger Mitte unterwegs ist, sieht Kleingärten, Gewerbehöfe, Kanäle – und viel offene Fläche dort, wo bis 2019 die Wilhelmsburger Reichsstraße verlief. Genau hier entsteht in den kommenden Jahren das Elbinselquartier, eines der größten Stadtentwicklungsprojekte im Hamburger Süden. Auch der Inselkiez wird hier gebaut. Ein Überblick darüber, was geplant ist, was schon feststeht – und was noch offen ist.
Das Elbinselquartier auf einen Blick
- rund 2.100 Wohnungen auf etwa 47 Hektar – vom Geschosswohnungsbau bis zum Stadthaus, aber ohne Einfamilienhäuser
- rund 18 Hektar Freiraum, darunter ein neuer Quartierspark am Aßmannkanal
- ein Schulcampus mit Grundschule, Stadtteilschule und Gymnasium, dazu mehrere Kitas
- etwa 30.000 m² Fläche für Gewerbe, Gastronomie und soziale Einrichtungen, vor allem in den Erdgeschossen
- bis zu 20 Prozent der Wohnfläche für Baugemeinschaften
- Wärme zu über 95 Prozent aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Tiefengeothermie

Die Zahlen stammen aus der Projektübersicht der IBA Hamburg (Stand 2025). Je nach Planstand nennt die IBA zwischen 2.000 und 2.100 Wohnungen; die Flächenangaben schwanken, weil die Abgrenzung des Gebiets im Lauf der Planung angepasst wurde.
Warum hier überhaupt gebaut werden kann
Lange zerschnitt die Wilhelmsburger Reichsstraße die Elbinsel. Im Oktober 2019 wurde die alte Trasse stillgelegt, der Verkehr läuft seitdem über die neue B 75 parallel zur Bahn. Rund vier Kilometer des alten Straßendamms werden zurückgebaut, 2022 kaufte die Stadt die Alttrasse vom Bund. Dadurch werden Flächen frei, die das Reiherstiegviertel im Nordwesten mit der Wilhelmsburger Mitte im Süden verbinden – Wilhelmsburg wächst an dieser Stelle wieder zusammen.

Der Entwurf: eine Stadt der Gärten
Grundlage ist ein städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb mit dem Titel „Auf gute Nachbarschaft – Wohnen und Arbeiten zwischen den Kanälen“. Im Juli 2016 entschied die Jury: Den ersten Preis erhielten Hosoya Schaefer Architects aus Zürich gemeinsam mit den Landschaftsarchitekt*innen von Agence Ter.
Ihre Idee: Nicht die Gebäude, sondern die Landschaft trägt das Quartier. Kanäle, Wettern und Gräben bilden das Gerüst für Wege, Baumreihen und grüne „Finger“, Kleingärten werden in die Stadt eingewoben. Die Blockränder des benachbarten Reiherstiegviertels werden aufgenommen, aber mit mehr Vielfalt bei Haustypen und Bauherr*innen. Laut Bebauungsplan-Entwurf für den Nordteil entstehen überwiegend vier- bis fünfgeschossige Blöcke, dazu Stadthäuser, Häuser von Baugemeinschaften und einzelne höhere Gebäude mit Läden oder Gewerbe im Erdgeschoss.
Wasser und Grün
Herzstück ist ein rund 4,5 Hektar großer Quartierspark am Aßmannkanal mit einem Platz am Wasser. Er ist Teil einer etwa drei Kilometer langen Landschaftsachse, die vom Inselpark bis zum Ernst-August-Kanal reicht. Bestehende Kleingartenanlagen bleiben erhalten und werden teilweise zu einem öffentlich zugänglichen Kleingartenpark umgestaltet; im südlichen Teil sind rund 7,5 Hektar Dauerkleingärten vorgesehen.
Ein Vorbote ist schon zu sehen: Am Aßmannkanal baut der Wilhelmsburger Ruder Club sein neues Vereinshaus mit Bootshalle – in Holzbauweise, entworfen ebenfalls von Hosoya Schaefer Architects. Richtfest war im Mai 2026, fertig sein soll es im März 2027.
Schule, Kitas und Alltag
Im nördlichen Teil des Quartiers, direkt am Park, entsteht ein Schulcampus, den die IBA als InselCampus bezeichnet: Grundschule, Stadtteilschule und Gymnasium an einem Ort, mit Sporthalle und Angeboten, die auch dem Stadtteil offenstehen. Der Architekturwettbewerb dafür lief 2022. Hinzu kommen mehrere Kitas, die teils in Wohngebäude integriert werden.
Die Erdgeschosse entlang der Hauptwege sind für Läden, Gastronomie, Werkstätten und soziale Einrichtungen gedacht. An der Jaffestraße bleiben die denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Palmin-Werke erhalten, als Ensemble für kleinteiliges Gewerbe.
Mobilität: kurze Wege statt Stellplatz vor der Tür
Das Quartier ist als „walkable city“ geplant – mit Wegen am Wasser, neuen Brücken und kurzen Distanzen. Parkplätze werden nicht auf jedem Grundstück gebaut, sondern in Quartiersgaragen und Mobility Hubs gebündelt, die auch Carsharing, Fahrradstellplätze und Ladepunkte bieten. Für Baugemeinschaften rechnet die IBA mit einem Stellplatzschlüssel von etwa 0,3 – also rund drei Autostellplätzen pro zehn Wohnungen. Für den südlichen Teil sieht der Bebauungsplan-Entwurf einen Mobility Hub westlich der Jaffestraße mit etwa 400 Stellplätzen vor.

Mit dem Rad geht es über die Veloroute 11 und einen kreuzungsfreien Radschnellweg über die Insel. Busse halten im Quartier; vom Südteil sind es laut Bebauungsplan-Entwurf rund zwei Kilometer bis zu den S-Bahn-Stationen Wilhelmsburg und Veddel. Eine Verlängerung der U4 über die Elbe ist langfristig im Gespräch, aber nicht beschlossen.
Energie aus 1.300 Metern Tiefe
Die Wilhelmsburger Quartiere werden über ein Wärmenetz der Hamburger Energiewerke versorgt. Die Wärme stammt zu einem großen Teil aus Tiefengeothermie: warmes Wasser aus rund 1.300 Metern Tiefe. Die Bohrungen begannen im Januar 2022; insgesamt soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung über 95 Prozent liegen. Der Anschluss an das Netz ist für die Neubauten vorgegeben. Gründächer und Photovoltaik auf den Dächern ergänzen das Konzept.
Viel Platz für Baugemeinschaften
Hamburg reserviert in den neuen Wilhelmsburger Quartieren bis zu 20 Prozent der Flächen für Baugemeinschaften. Vergeben werden nach Konzept: In einem Interessenbekundungsverfahren, das die IBA im November 2021 startete, bewarben sich Gruppen mit Ideen etwa zu Mehrgenerationenwohnen, autoarmem Leben oder der Verbindung von Wohnen und Arbeiten. Im Juli 2022 wählte die IBA gemeinsam mit der Agentur für Baugemeinschaften 30 Gruppen für die ersten sieben Baufelder aus. Der Inselkiez ist eine der Baugemeinschaften, die im Elbinselquartier bauen. Wie Baugemeinschaften grundsätzlich funktionieren, erklären wir auf unserer Seite Was ist eine Baugemeinschaft?
Wo die Planung steht

Planungsrechtlich ist das Quartier zweigeteilt. Für den Norden (Bebauungsplan Wilhelmsburg 100, rund 37,5 Hektar, bis zu 1.600 Wohnungen) lag der Entwurf im Herbst 2025 öffentlich aus; im Dezember 2025 hat die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte die sogenannte Vorweggenehmigungsreife beschlossen. Damit können Bauanträge schon genehmigt werden, bevor der Plan formal festgestellt ist. Für den Süden (Bebauungsplan Wilhelmsburg 99, rund 27 Hektar, etwa 500 Wohnungen) fand im Juni 2026 die öffentliche Plandiskussion statt.
Bis das ganze Quartier fertig ist, wird es dauern: Die IBA rechnete schon 2019 mit einer Entwicklungszeit von nicht unter zehn Jahren. Wer hier einzieht, wird also noch eine Weile Baustellen in der Nachbarschaft erleben. Wir finden gerade das spannend – mitzuerleben, wie ein Viertel entsteht, und es von Anfang an mitzuprägen. Und vieles, was einen Stadtteil lebenswert macht, gibt es in Wilhelmsburg längst: Kultur, Cafés, Wasser und Grün.
Selbst ein Bild machen
Einen Plan des Quartiers und Fotos der Gegend, wie sie heute aussieht, zeigen wir auf unserer Seite Lage & Umgebung. Die IBA Hamburg informiert regelmäßig beim öffentlichen „Projektdialog Wilhelmsburg“, der nächste ist für den 10. November 2026 angekündigt. Und wer uns und den Ort kennenlernen möchte, ist bei unseren offenen Treffen herzlich willkommen.
Quellen
- IBA Hamburg: Elbinselquartier – Übersicht
- IBA Hamburg: Projektverlauf
- IBA Hamburg: Quartiersentwicklung Wilhelmsburg, Stand 2025
- IBA Hamburg: Pressetext Wilhelmsburg, Februar 2025
- IBA Hamburg: Mit neuen Quartieren nachhaltig zusammenwachsen, 2019
- IBA Hamburg: Verfahrensdokument Interessenbekundung, 2021
- Bezirksamt Hamburg-Mitte: Bebauungsplan Wilhelmsburg 100
- Bezirksamt Hamburg-Mitte: Bebauungsplan Wilhelmsburg 99
- IBA Hamburg: Nördliches Elbinselquartier nimmt letzte Hürde, Dezember 2025
- Bezirksamt Hamburg-Mitte: Richtfest am Aßmannkanal, Mai 2026
- Hosoya Schaefer Architects: Elbinselquartier
Titelbild: Aßmannkanal, Foto: Uwe Rohwedder, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Schaubilder: Inselkiez. Abgerufen im Oktober 2026. Alle Angaben geben den Planungsstand wieder und können sich ändern.













